Mein erster Gedanke war: “Geiler Linkbait!” Nee, Spaß. Mein erster Gedanke war: “Geld nehmen, für das Löschen von Kommentaren zu einem Blogeintrag, stinkt!” Aber auch nur mein Erster. Man muss relativieren…

Folgender Sachverhalt: Patrick Gruban von Gruban.de bloggt scheinbar auf verschiedenen Blogs. Nun muss er vor Jahren mal einen Beitrag über eine Firma geschrieben haben, dieser war der Firma positiv gesinnt. Allerdings haben sich unter dem Beitrag negative Kommentare von  Lesern befunden. Aus diesem Grund hat sich der Firmeninhaber (oder ein Vertreter der Firma, ist mir nicht ganz ersichtlich) bei Patrick Gruban gemeldet um darüber zu kommunizieren, ob es nicht möglich wäre die Kommentare unter dem besagten Blogeintrag zu entfernen. Es wurden ihm 2 Möglichkeiten angeboten. 1. rechtliche Wege. 2. Eine Ausgleichzahlung für das entfernen des Eintrages bzw. der negativen Kommentare. Den genauen Sachverhalt könnt ihr bei Bedarf bei Patrick selbst nachlesen, ich muss die Story ja nicht 1:1 nacherzählen ;)

Jedenfalls kam es zu einem Treffen der beiden Parteien indem es zu der Entscheidung kam, dass Patrick Gruber 800 Euro erhält um die Kommentare zu löschen. Er nahm das Angebot an und löschte nicht die Kommentare sondern den ganzen Blogeintrag. Wirken lassen….

Lebt ein Blog nicht davon das es um knallharte Fakten geht, auch in den Kommentaren? Immer mitten in die Fresse, ohne Zensur?

Ein Beispiel: Mercedes Benz sieht in der Autobild-Online, dass die Autobild die A-Klasse trotz des schlechten Abschneiden beim Elchtest gut bewertet hat, aber unter diesem Beitrag tummeln sich hunderte negative Kommentare von Kunden. Nun wendet sich Mercedes an Autobild und bietet der Autobild 50.000 Euro für das löschen des Beitrages. Autobild willigt ein. Also fließt Schmiergeld für die herbeiführung einer Zensur! Wettbewerbsverzerrung. (Rechtlicher Hinweis: Mercedes und Autobild sind nur Pseudonyme für den geschilderten Sachverhalt, dieser ist vollkommen fiktiv und dient lediglich zur Verdeutlichung der Situation in größeren Ausmaß.)

Mein erster Eindruck, das Geld zu nehmen für das löschen von Kommentaren stinkt, festigt sich. Nun versetze ich mich aber fairer Weise in die Lage von Patrick Gruber. Er steht da mit seinem Hobby-Blog und sieht eine rechtliche Auseinandersetzung auf sich zukommen, die ihn eventuell viel Geld kosten könnte. Was hätte ich an seiner Stelle getan? Ich wäre zu einem Anwalt gegangen um mich vorab über den Sachverhalt rechtlich Aufklären zu lassen. Für alle die es nicht Wissen. Eine 1. Rechtsberatung bei einem Anwalt ist grundsätzlich kostenlos.

Hätte Patrick nun überhaupt keine Chance gehabt diesen Fall zu Gewinnen, hätte er diesen Beitrag auch unentgeldlich löschen können. Eine moralische Frage. Das dies allerdings der soweit gekommen wäre bezweifele ich sehr stark. Immerhin herrscht in Deutschland immer noch Meinungsfreiheit (wenn auch nicht wie es sein sollte) solange die Aussagen der Leser nicht verleumdend ist. Was laut Patricks Aussage ja auch nicht so war.

Fazit: Ich finde man muss die Situation und das daraus resultierende Handeln gründlich Abwägen. Ohne es versucht zu haben würde ich kein Geld nehmen oder Kommentare löschen. Erst wenn ich es durch einen rechtlichen Beistand bestätigt bekäme, dass es darauf hinauslaufen würde das ich die Kommentare ohnehin löschen muss, würde ich diese unentgeldlich des Friedens Willen löschen. Letztendlich muss es aber jeder für sich selbst entscheiden, ob man seine Glaubwürdigkeit verlieren oder aber die Vorteile des Bloggens, die Ehrlichkeit, für sich bewahren möchte.

Patrick, ich möchte dir nicht auf die Füße treten. Das ist lediglich meine Meinung für das Thema das du uns geliefert hast. Vielleicht ist es ja doch ein “geiler Linkbait”…

UPDATE: Neues Urteil vom 16.07.2008, Amtsgereichtt Frankfurt/Main. Keine Vorab-Zensur bei Blogs und Foren!

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